Archiv nach Kategorien: Kurz verlinkt

Neuer Podcast über „Coding History“

Daniel Meßner hat ein neues Podcastprojekt gestartet. „Coding History“

Coding History widmet sich der Geschichte von Software und ihrer Programmierung. (…) Mir geht es mit diesem Projekt darum, besser zu verstehen, wie die digitale Welt geworden ist, wie sie ist und wie sie sich und ihre Um-Welt verändert.

Ich halte diese Perspektive für sehr gewinnbringend, da sie den Blick für die Bedeutung von Software und ihre Historizität öffnet. Folgt man dem Diktum von Lawrence Lässing „Code is Law“, das Software und weniger klassische Gesetze die eigentlichen Regeln in der digitalen Welt aufstellen, kann eine Historisierung von Softwareentwicklung vielleicht besser beim Verständnis der Gegenwart helfen als klassische Politikgeschichte. Insofern wüsche ich Daniel sehr viel Erfolg mit dem Projekt.

Ich hatte bislang erst Zeit, Folge 2 über den 31C3 zu hören, die ich aber bereits sehr interessant fand, auch wenn sie sich nur sehr am Rand mit der Geschichte des Programmierens befasst. Folge 1 mit Caspar Clemens Mierau über die Geschichte und Rolle von digitalen Entwicklungsumgebungen scheint mehr in die Materie zu gehen.

 

Kurz verlinkt: Cracker in den 1980ern

Gerade geht ein Beitrag der Aktuellen Stunde des WDR von 1986 über Raubkopierer Cracker durch die Blogosphäre, und da schon seit längerem nichts mehr gebloggt habe, springe ich schamlos auf den Zug auf.
Voilà

Kurz verlinkt: Ted Nelson’s Xanadu, Transklusion

Ted Nelsons, ein (sehr) früher Visionär des Hypertext und der Autor von Computer Lib wurde mit einer Veranstaltung an der Chapman University in Südkalifornien geehrt, bei der auch eine Version von Xanadu vorgestellt wurde, ein Hyperlinksystem, dass mit Transklusion arbeitet. Wenn ein verlinkter Text geändert wird, wirkt sich die Änderung auf alle Verlinkungen aus.

Auf den ersten Blick stellt ein solches System für mich eine Herausforderung für geisteswissenschaftliches Arbeiten dar. In der Regel bezieht man sich ja auf eine spezifische Version eines anderen Textes. Ok, Rechtschreibfehler dürfen in Zitaten gerne automatisch korrigiert werden (aber wer entfernt das [sic!]…?). Aber wenn im Original einfach der Sinn geändert wird, bricht doch so manche Argumentation. Transklusion braucht also eine ordentliche Versionierung auf beiden Seiten und kann nicht automatisiert ablaufen. Was bringt sie dann also? Oder verstehe ich da was falsch?

Kurz Verlinkt: Jan Hecker-Stampehl über digitale Geschichte und Geschichtsswissenschaft

In der letzten Episode des von mir hochgeschätzten Podcasts „Stimmen der Kulturwissenschaften“ (direkt mp3|ogg) spricht Jan Hecker-Stampehl über digitale Geschichte und Geschichtswissenschaften.

Wichtig fand seinen Hinweis, das die Digitalisierung weniger neue (geisteswissenschaftliche) Methoden hervorbringt, sondern sich mehr auf die Kommunikation über Geschichte auswirkt – ein Umstand, auf den die professionelle Geschichtswissenschaft reagieren muss, um nicht den Rest ihrer gesellschaftlichen Bedeutung zu verlieren. Gerade deshalb sind Blogs und Projekte wie @9Nov38 für die Geschichtswissenschaft so wichtig, weil sie den akademischen Diskurs öffnen.

Ich widerspreche allerdings Jans Behauptung, dass Historiker nicht programmieren können müssen. Das mag bislang zwar noch so sein, aber spätestens, wenn wir es mit rein digitalen Quellen („digital born“) zu tun bekommen, sollte ein Historiker genau wissen, wie diese Quellen entstanden sind und was sie eigentlich aussagen können. Oder kurz gesagt: In Zukunft wird auch die Informatik ein Werkzeug des Historikers sein!

Kurz verlinkt: Historische Vorträge vom 30C3

Ein kurzer Hinweis. Ich war auf dem 30C31 und habe zwei Vorträge gehört, die für historisch Interessierte ganz interessant sein dürften.

Zum einen der Vortrag von Andreas Lehner über „den tiefen Staat“ über den Grad der Militarisierung der Infrastruktur in der BRD und den Stay-Behind-Organisationen der NATO.

Und zum anderen natürlich den Vortrag des Historikers Josef Foschepoth über die Post- und Telefonüberwachung in der Bundesrepublik bis 1989. Foschepoth macht dabei deutlich, dass eine fast flächendeckende Überwachung in der BRD im Kontext des Kalten Krieges eine lange Tradition hat, und keineswegs erst im Zuge der Digitalisierung durch die NSA möglich wurde. Das dazugehörige Buch gibt es derzeit sehr kostengünstig bei der Bundeszentrale für politische Bildung.

  1. Für Unwissende: Dem 30 Chaos Communication Congress des Chaos Computer Clubs in Hamburg []

Kurz verlinkt: Planet History, ein Blogaggregator für die deutschsprachige Geschichtswissenschaft

Wenig los hier, ich weiß. Aber habe mir fest vorgenommen, bald wieder mehr zu bloggen. Ganz bestimmt. Bald. Bis dahin darf ich den historisch interessierten Leser auf ein neues Projekt von Michael Schmalenstroer hinweisen, der ihn mit reichlich Lesestoff versorgt: Planet History.

Planet History ist ein Blogaggregator für die deutschsprachige Geschichtswissenschaft, d. h. er sammelt die Beiträge von (im weitesten Sinne) geschichtswissenschaftlichen Blogs und stellt diese auf einer Seite dar. Auch wenn an der Übersichtlichkeit des Layouts noch ein wenig gefeilt werden kann, ist Planet History doch ein vielversprechender Versuch, die Sichtbarkeit der geschichtswissenschaftlichen Blogosphäre zu verbessern. Oder, wie Michael selber schreibt: „Ziel dieser Seite ist es, etwas Übersicht in die doch recht zersplitterte Geschichtsblogosphäre zu bringen und gerade kleine Blogs hervorzuheben.“ Dieses Ziel kann ich nur begrüßen, schließlich bin ich ja selber nur ein „kleiner“ Blogger. Danke Michael!

Kurz verlinkt: Podcast über Geheimdienste, Kryptografie und die Crypto Wars

Ich darf kurz auf einen wirklich höchst interessanten Podcast von Frank Rieger und Fefe (Felix von Leitner) hinweisen. In der Folge 30 ihres Podcast „Alternativlos“ reden die beiden über die Geschichte der Geheimdienste, Kryptografie und die Crypto Wars der 1990er. Ich habe dazu ja auch schon etwas geschrieben, aber die beiden gehen sehr genauer auf die Materie ein.

⇒ Alternativlos 30

Kurz verlinkt: Thomas Assheuer über die kybernetische Kontrollgesellschaft

In der ZEIT (31/2013, S. 36) von letzter Woche hat Thomas Assheuer einen lesenswerten Artikel über die „Mikrophysik der Macht“ veröffentlicht, in dem ich auch meine Gedanken zum Problem der Überwachung in Demokratien wiederfinde.

Eine Möglichkeit, die Ausweitung der Überwachung seit 9/11 zu deuten ist demnach, dass der Absolutismus nie wirklich überwunden wurde, sondern auch in vermeintlich liberalen Staaten in Form eines „tiefen Staates“ vorhanden ist, der alles über seine Untertanen, die nun allerdings Bürger heißen, wissen möchte, um die Kontrolle nicht zu verlieren. Im Zeitalter der automatisierten Informationsverarbeitung ermögliche dieser Kontrollanspruch des Staates eine neue Kontrollgesellschaft, die durch „soziale Kybernetik“ gesteuert werden.

„Damit ist die Vorstellung gemeint, die Gesellschaft sei eine große Maschine, die sich, wenn man es nur geschickt genug anstellt, durch Datenerhebung und Informationstechniken steuern lässt. In einer solchen Maschine geht es nicht mehr um Argumente und Werte, um „Diskurs“ oder öffentliche Willensbildung, das ist der alteuropäische Kitsch von gestern. Es geht darum, die einzelne Teile der Gesellschaftsmaschine störungsfrei miteinander zu verschalten, es geht um systemische Bestandserhaltung und Gleichgewichtszustände, um Prävention und Risikovermeidung. Der Einzelne ist darin eine Art Sonde, die dem System durch seine Datenemissionen die nötigen Informationen liefert, um Abläufe besser zu kontrollieren. Perfekt läuft die Maschine immer dann, wenn der Bürger genau das will, was er auch soll.

[…]

Der Staat gleicht darin einer großen Firma, die die Stimmungslagen der Politikverbraucher abtastet und gelegentliche Widerstände durch neue Angebote aus der Welt schafft. Wählerstimmen werden mittels „Data-Mining“ ausgekundschaftet, während die Wahl selbst wie eine Art Produkt-Test verläuft. Der Wähler wird als Konsument angesprochen, der die Freiheit hat, sich kostenlos von unterschiedlich designten Polit-Angeboten verführen zu lassen.“

http://www.zeit.de/2013/31/nsa-ueberwachung-angst-kontrollgesellschaft